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Anschlussfinanzierung 2025: Prolongation, Umschuldung & Forward-Darlehen

Wenn die Zinsbindung Ihres Immobiliendarlehens ausläuft, stehen Sie vor einer der wichtigsten finanziellen Entscheidungen: der Anschlussfinanzierung. Dieser Guide zeigt die drei Optionen, den optimalen Zeitpunkt und konkrete Sparstrategien.

Lesezeit: 10 Minuten
Aktualisiert: Februar 2025

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Eine Anschlussfinanzierung wird notwendig, wenn die vereinbarte Zinsbindungsfrist Ihres bestehenden Immobiliendarlehens ausläuft. In Deutschland beträgt die typische Zinsbindung 10 oder 15 Jahre. Nach Ablauf bleibt in den meisten Fällen eine erhebliche Restschuld, die weiterfinanziert werden muss.

Bei einer Restschuld von beispielsweise 180.000 € kann ein Zinsunterschied von nur 0,5% über eine erneute 10-jährige Zinsbindung bereits ca. 9.000 € Unterschied bedeuten. Es lohnt sich also, frühzeitig alle Optionen zu prüfen.

Drei Optionen im Vergleich

KriteriumProlongationUmschuldungForward-Darlehen
Was ist das?Verlängerung bei gleicher BankWechsel zu einer anderen BankNeuer Vertrag mit Zinssicherung bis 60 Monate im Voraus
AufwandMinimal – einfach unterschreibenMittel – neue BonitätsprüfungMittel – neuer Vertrag vorab
ZinsvorteilOft schlechtere KonditionenMeist 0,2–0,5% günstigerPlanungssicherheit
KostenKeineNotar ca. 200–400 €, GrundbuchZinsaufschlag 0,01–0,03% pro Monat Vorlauf
Ideal fürBequeme, kleine RestschuldSparfüchse, große RestschuldRisikoscheue, steigende Zinsen erwartet

Der richtige Zeitpunkt

Zeitplan für Ihre Anschlussfinanzierung

36–60 Monate vorher:Forward-Darlehen prüfen (wenn Zinsen niedrig und steigende Zinsen erwartet)
12–24 Monate vorher:Angebote von mindestens 3 Banken einholen, Umschuldung prüfen
6 Monate vorher:Verhandlungen mit aktueller Bank, Letter of Intent einholen
3 Monate vorher:Spätestens jetzt entscheiden – Prolongation oder Umschuldung einleiten

Achtung: Ihre Bank ist gesetzlich verpflichtet, Ihnen 3 Monate vor Ablauf der Zinsbindung ein Verlängerungsangebot zu unterbreiten. Nehmen Sie dieses NICHT ungeprüft an – es ist meist nicht das beste Angebot am Markt.

Forward-Darlehen: Zinsen heute sichern

Mit einem Forward-Darlehen sichern Sie sich heutige Zinsen für eine Anschlussfinanzierung, die erst in der Zukunft beginnt – typischerweise bis zu 60 Monate im Voraus. Dafür zahlen Sie einen Zinsaufschlag von ca. 0,01–0,03% pro Monat Vorlaufzeit.

Forward lohnt sich wenn

  • Zinsen deutlich steigen werden
  • Große Restschuld (> 100.000 €)
  • Planungssicherheit wichtiger als Best-Price

Forward lohnt sich nicht wenn

  • Zinsen stabil oder fallend erwartet
  • Kleine Restschuld (< 50.000 €)
  • Sondertilgung die Restschuld stark reduziert

Umschuldung: Bank wechseln

Bei einer Umschuldung wechseln Sie am Ende der Zinsbindung zu einer anderen Bank mit besseren Konditionen. Der Wechsel ist nach Ablauf der Zinsbindung ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Einzige Kosten: die Grundschuldabtretung im Grundbuch (ca. 200–400 €).

Tipp: Nutzen Sie Angebote anderer Banken als Verhandlungsgrundlage bei Ihrer aktuellen Bank. Oft verbessert sich das Prolongationsangebot deutlich, wenn Sie mit einem konkreten Konkurrenzangebot verhandeln.

Rechenbeispiel: Prolongation vs. Umschuldung

Ausgangssituation: Restschuld 180.000 €, neue Zinsbindung 10 Jahre, 2% Tilgung

Prolongation (3,8%)Umschuldung (3,3%)Differenz
Monatliche Rate870 €795 €75 €/Monat gespart
Gezahlte Zinsen (10 J.)57.600 €49.720 €7.880 € gespart
Restschuld nach 10 J.134.200 €130.680 €3.520 € weniger Restschuld
Gesamtvorteil Umschuldungca. 11.400 €

Abzüglich ca. 300 € Notar-/Grundbuchkosten für die Umschuldung. Nettovorteil: ca. 11.100 €

Checkliste zur Vorbereitung

1
Restschuld und Zinsbindungsende prüfen (steht im Darlehensvertrag)
2
Aktuelle Konditionen bei mindestens 3 Banken einholen
3
Sondertilgungsmöglichkeiten vor Ablauf der Zinsbindung nutzen
4
Bonitätsunterlagen aktualisieren (Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge)
5
Grundbuchauszug anfordern (max. 3 Monate alt)
6
Wohn-/Nutzfläche und aktuellen Immobilienwert ermitteln
7
Prolongationsangebot der aktuellen Bank mit Angeboten vergleichen

Häufig gestellte Fragen

Muss ich bei meiner bisherigen Bank bleiben?

Nein. Nach Ablauf der Zinsbindung können Sie ohne Vorfälligkeitsentschädigung zu jeder anderen Bank wechseln. Das ist Ihr gesetzliches Recht. Die Grundschuld wird per Abtretung übertragen – eine Löschung und Neueintragung ist nicht nötig, was Kosten spart. Nutzen Sie dieses Wechselrecht als Verhandlungsposition bei Ihrer aktuellen Bank.

Wann sollte ich mit der Planung beginnen?

Idealerweise 12–24 Monate vor Ablauf der Zinsbindung. So haben Sie genug Zeit, Angebote zu vergleichen und in Ruhe zu entscheiden. Wenn Sie ein Forward-Darlehen in Betracht ziehen, können Sie sogar 36–60 Monate im Voraus planen. Ihre Bank muss Ihnen spätestens 3 Monate vor Ablauf ein Angebot unterbreiten – aber verlassen Sie sich nicht darauf, dass es das beste ist.

Was kostet eine Umschuldung zu einer anderen Bank?

Die reinen Kosten einer Umschuldung liegen bei ca. 200–400 € für die Grundschuldabtretung (Notar + Grundbuchamt). Keine Bank darf eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, wenn die Zinsbindung ausgelaufen ist. Bei einer Restschuld über 100.000 € und einem Zinsvorteil von 0,3–0,5% amortisieren sich diese Kosten innerhalb weniger Monate.

Lohnt sich ein Forward-Darlehen bei aktuellen Zinsen?

Das hängt von Ihrer Erwartung an die Zinsentwicklung ab. Ein Forward-Darlehen kostet einen Aufschlag von ca. 0,01–0,03% pro Monat Vorlaufzeit. Bei 24 Monaten Vorlauf sind das also 0,24–0,72% Aufschlag. Rechnen Sie den Aufschlag gegen die mögliche Zinssteigerung. Nutzen Sie unseren Hypothekenrechner, um verschiedene Szenarien durchzuspielen und die Gesamtkosten zu vergleichen.

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Hinweis:

Alle Berechnungen und Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine professionelle Finanzberatung. Aktuelle Zinssätze und Konditionen können abweichen. Stand: Februar 2025.

Zuletzt aktualisiert: Februar 2026