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Immobilien als Inflationsschutz 2025: Mythos oder Realität?

„Betongold" gilt als sicherer Hafen in Zeiten steigender Preise. Aber stimmt das wirklich? Dieser Guide analysiert, wann Immobilien vor Inflation schützen, wann nicht — und welche Strategien wirklich funktionieren.

Lesezeit: 9 Minuten
Aktualisiert: Februar 2025

Warum gelten Immobilien als Inflationsschutz?

Immobilien gelten traditionell als Inflationsschutz aus drei Gründen: Erstens sind sie Sachwerte — physische Güter, die nicht durch Gelddrucken entwertet werden. Zweitens steigen Mieten typischerweise mit der Inflation, was laufende Einnahmen absichert. Drittens profitieren kreditfinanzierte Käufer, weil die Inflation den realen Wert ihrer Schulden mindert.

Sachwert vs. Geldwert

KriteriumSachwerte (z.B. Immobilien)Geldwerte (z.B. Sparkonten)
InflationswirkungWert steigt tendenziell mitKaufkraft sinkt
NominalwertVariabel, marktabhängigFix (100 € bleiben 100 €)
Realwert bei 5% Inflation/JahrMeist stabil oder steigend−5% Kaufkraft pro Jahr
BeispieleImmobilien, Gold, AktienFestgeld, Anleihen, Lebensversicherung

Historische Daten: Immobilienpreise vs. Inflation (Deutschland)

ZeitraumInflation (kumuliert)Immobilienpreise (Ø)Realer Schutz?
2000–2010+17%−5% bis +5%Nein — realer Wertverlust
2010–2020+14%+60% bis +120%Ja — deutlich über Inflation
2020–2022+14%+15% bis +25%Ja — ungefähr gleich
2022–2024+8%−5% bis −15%Nein — Korrektursphase

Erkenntnis: Langfristig (20+ Jahre) schützen deutsche Wohnimmobilien in der Regel vor Inflation. Kurzfristig (1–5 Jahre) kann es jedoch erhebliche Abweichungen geben — insbesondere bei Zinswenden.

Mieteinnahmen und Indexmiete

Die Indexmiete (§ 557b BGB) koppelt die Miete direkt an den Verbraucherpreisindex. Steigt die Inflation um 5%, kann auch die Miete um 5% erhöht werden — ohne die üblichen Beschränkungen der Mietpreisbremse.

Vorteile der Indexmiete

  • Automatischer Inflationsausgleich
  • Keine Mietpreisbremse anwendbar
  • Transparenz für beide Seiten

Nachteile der Indexmiete

  • Bei Deflation sinkt auch die Miete
  • Keine Mieterhöhung nach Modernisierung
  • Kappungsgrenze bei starker Inflation

Wann Immobilien NICHT vor Inflation schützen

Zinswende

Steigende Zinsen zur Inflationsbekämpfung drücken Immobilienpreise — genau dann, wenn die Inflation am höchsten ist. Das war 2022–2024 in Deutschland deutlich sichtbar.

Überhitzte Märkte

In Blasenphasen übersteigt der Preis den inneren Wert. Platzt die Blase, schützt der Sachwert nicht vor dem Preisverfall.

Leerstand und Mietausfall

Inflationsschutz durch Miete funktioniert nur bei Vermietung. Leerstand, Mietausfall oder Mieterinsolvenz eliminieren diesen Schutz.

Variable Finanzierung

Bei variabel verzinsten Darlehen steigen die Kreditkosten parallel zur Inflation — der Hebeleffekt kehrt sich um.

Vergleich: Immobilien vs. andere Inflationsschutz-Anlagen

AnlageInflationsschutzLiquiditätHebel möglichLfd. Einnahmen
ImmobilienGut (langfristig)NiedrigJaMiete
Aktien/ETFsGutHochBegrenztDividende
GoldMittelHochNeinKeine
Inflations-AnleihenSehr gutHochNeinKupon
Festgeld/SparbuchSchlechtHochNeinZinsen (oft < Inflation)

Strategien für inflationsgeschütztes Investieren

1

Langfristig festfinanzieren

Fixieren Sie den Zinssatz für 15–20 Jahre. Bei Inflation zahlen Sie den Kredit mit „entwertetem" Geld zurück — der Hebel arbeitet für Sie.

2

Indexmiete vereinbaren

Sichern Sie sich automatische Mietanpassungen gemäß Verbraucherpreisindex.

3

Gute Lagen bevorzugen

Immobilien in A- und B-Städten haben historisch die Inflation am zuverlässigsten geschlagen.

4

Diversifizieren

Kombinieren Sie Immobilien mit Aktien-ETFs und Inflations-Anleihen für optimalen Schutz.

Häufig gestellte Fragen

Sind Immobilien der beste Schutz vor Inflation?

Langfristig gehören Immobilien zu den besten Inflationsschutz-Anlagen, insbesondere wegen des Hebeleffekts durch Fremdfinanzierung und der Mietanpassung. Kurzfristig können andere Anlagen (Aktien, Inflations-Anleihen) jedoch flexibler und liquider sein. Der «beste» Schutz ist eine Kombination: Immobilien als Kerninvestment, ergänzt durch liquide Anlagen. Entscheidend ist die Finanzierungsstruktur — langfristige Festzinsen maximieren den Inflationsschutz.

Profitiere ich auch als Selbstnutzer vom Inflationsschutz?

Ja, aber anders als ein Vermieter. Als Selbstnutzer profitieren Sie davon, dass Ihre Kreditrate fix bleibt, während Mieten steigen — Sie sparen also die Inflationserhöhung der Miete. Zudem steigt der Wert Ihrer Immobilie nominal mit der Inflation. Der Effekt ist jedoch geringer als bei Vermietern, da Sie keine inflationsbereinigten Mieteinnahmen erhalten. Dafür haben Sie den Vorteil der Eigentümer-Freiheit.

Was passiert mit meinem Immobilienkredit bei hoher Inflation?

Bei einem Festzinskredit profitieren Sie: Die reale Last Ihres Kredits sinkt, weil Sie mit „entwertetem" Geld zurückzahlen. Bei 5% Inflation und einem 300.000 € Kredit verliert die Restschuld jedes Jahr ca. 15.000 € an realem Wert. Gleichzeitig steigen typischerweise Ihr Einkommen und die Mieteinnahmen nominal mit. Achtung: Bei variablen Zinsen oder nach Ablauf der Zinsbindung steigen die Zinsen mit der Inflation — dann kehrt sich der Effekt um.

Lohnt sich ein Immobilienkauf speziell wegen der Inflation?

Inflation allein sollte nicht der Hauptgrund für einen Immobilienkauf sein. Entscheidender sind Lage, Kaufpreis, Mietrendite und Ihre persönliche Finanzplanung. Der Inflationsschutz ist ein willkommener Nebeneffekt, aber kein Allheilmittel. Eine überteuert gekaufte Immobilie in schlechter Lage schützt nicht vor Inflation — sie verliert real an Wert. Nutzen Sie unsere Rechner, um die Rendite realistisch zu kalkulieren.

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Hinweis:

Historische Daten basieren auf Destatis und vdp-Index. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Renditen. Stand: Februar 2025.

Zuletzt aktualisiert: Februar 2026