Bauabnahme: Mängel erkennen & richtig protokollieren
Nach der Abnahme kehrt sich die Beweislast um — Sie müssen Mängel nachweisen. So schützen Sie sich richtig.
Die wichtigsten Erkenntnisse
1. Die 10 häufigsten Baumängel
#1Risse im Putz/Estrich
Setzungsrisse, Schwindrisse — fein bis breit, oft an Anschlüssen und Ecken
#2Feuchtigkeit/Undichtigkeiten
Kellerwände, Fensteranschlüsse, Dachdurchführungen — Feuchtemessung durchführen
#3Fehlerhafte Fenstereinbau
Undichte Anschlüsse, fehlende Dampfbremse, nicht normgerechte Montage (RAL)
#4Unebenheiten Estrich/Fliesen
DIN 18202 Toleranzen prüfen: ≤ 3 mm auf 1 m Länge bei Estrich
#5Mangelhafte Abdichtung
Bodenplatte, erdberührte Wände, Nassräume — nach DIN 18195/18533/18534
#6Elektroinstallation
Fehlende Steckdosen, falsche Positionen, fehlende Prüfprotokolle (E-Check)
#7Schallschutz
Trittschall, Luftschall, Installationsgeräusche — DIN 4109 Mindestanforderungen
#8Wärmebrücken
Thermografie zeigt kalte Stellen an Anschlüssen, Balkonen, Rollladenkästen
#9Fehlerhafte Luftdichtheit
Blower-Door-Test: n50 ≤ 1,5 h⁻¹ (mit Lüftungsanlage ≤ 1,0 h⁻¹)
#10Abweichung von Baubeschreibung
Andere Materialien, geringere Ausstattung, fehlende Leistungen
2. BGB- vs. VOB-Abnahme
| Kriterium | BGB-Abnahme | VOB/B-Abnahme |
|---|---|---|
| Gewährleistung | 5 Jahre | 4 Jahre |
| Fiktive Abnahme | Nach 6 Monaten ohne Erklärung | Nach 12 Werktagen ohne Erklärung |
| Mängelbeseitigung | Angemessene Frist | Angemessene Frist + Schriftform |
| Empfehlung | Für Verbraucher besser | Nur bei Einzelgewerk |
3. Abnahme-Protokoll: Das muss rein
Tipp: Engagieren Sie einen unabhängigen Bausachverständigen (ca. 300–500 € pro Begehung). Die Investition zahlt sich aus — durchschnittlich werden bei 80 % aller Neubauten Mängel festgestellt.